Seit vier Tagen gibt es Licht am Ende des Tunnels, viel silver lining an den Wolken, und es wird ganz viel suess gelaechelt. Ich will nicht sagen, dass Cubling ploetzlich pflegeleicht ist und nicht mehr schreit, aber es gibt Welten zwischen einem aktiven Baby, das konstant unterhalten werden will, und einem Baby, das scheinbar grundlos stundenlang ununterbrochen schreit (bei der letzten Crysis waren es 7 Stunden nonstop).
Cubling weint immer noch viel und schnell, will konstant gehalten werden und hat grosse Schwierigkeiten einzuschlafen. Hinzu kommt Bauchweh und eine Erkaeltung. Der grosse Durchbruch ist jedoch, dass jedes Weinen einen Grund hat, den wir verstehen, und dass das wuetende, konstante und nervenaufreibende Geschrei nicht mehr wie eine Sirene losgeht, sondern von einem nicht so lauten und herzzerreissenden "hallo, ich brauche euch" Ton eingeleitet wird. Wenn wir darauf reagieren, koennen wir das Schreien abwenden.
Interessant war in den letzten Wochen, wie auf meinen eigenen Hilferuf reagiert wurde. Health Visitor zuckte die Schultern - sie habe wohl Colic. Meine NCT Muetter meinten schlicht, dass Babys eben schreien. Natuerlich schreien Babys, aber ehrlich gesagt habe ich noch nie ein Baby erlebt, das 7 Stunden am Stueck in einer Lautstaerke schreit, die einen Presslufthammer als Hintergrundmusik erblassen laesst. Ich fuehlte mich nicht ernst genommen, ignoriert und schlicht hilflos. Die Ratschlaege, die ich von anderen Muettern bekam, waren zwar gut gemeint. Benutz einen Bouncer. Benutz eine Tragetasche/Tragetuch. Geh spazieren. Mehr stillen. Weniger stillen. Oefter stillen. Seltener Stillen. Gib ihr doch die Flasche. Hintergrundgeraeusche. Baden. Als ob ich das nicht alles sowieso ausprobiert haette. Und beim Schreimarathon half natuerlich absolut nichts.
Als die Verzweilung einsetzte, verschlang ich Buecher, die von Routine sprechen, sofortige Besserung versprechen, und behaupten, dass Babys sicher selbst die 2 Durchschnittschreistunden pro Tag gluecklich sein solten. Die Gina Fords und Tracy Hoggs dieser Welt lassen es so einfach klingen. Das mit dem "Schreien lassen" habe ich notgedrungen ausprobiert, schlicht um wenigstens eine Mahlzeit zu mir zu nehmen, oder wenn sie beim Spazierengehen loslegte. Mit dem Resultat, dass ich Kopfschmerzen bekam und cubling weiterhin froehlich und mit ungeminderter Inbrust schrie. Hoggs EASY Routine (eat activity sleep you) scheiterte am S, sodass es dann auch weiterhin kein Y gab. Am schlimmsten war jedoch das unterschwellige Urteil ueber meine (in)Kompetenz als Mutter. Diese Buecher suggestieren, dass es nur an der fehlenden Routine liegt, die zu "Zufallserziehung" fuehrt, und dass das kindliche Schreien immer ein Resultat elterlichen Mismanagements ist.
Die Helpline Cry-sis half da schon eher. Zumindest spricht man dort mit ehrenamtlichen Eltern, die das ganze selbst durchgemacht haben. Zum ersten Mal spricht man also mit jemanden, der einen ernst nimmt und das Problem auch wirklich versteht. Jemand, der weiss, das manchmal absolut nichts hilft. Jemand, der keine Angst hat, mir zu raten, dass ich die Tuer zwischen Baby und mir schliessen soll, bevor Wut und Aggression einsetzten, weil das Baby und Mutter voreinander schuetzt. Dass ich Baby fuer zwei Stunden an jemanden abgeben soll, um eine Pause zu bekommen und Perspektive zu gewinnen. Um den Teufelskreis schreiendes Kind, verzweifelte Mutter, schreiendes Kind zu durchbrechen.
Schliesslich stolperte ich in der Buecherei ueber das Buch Understanding your Crying Baby von Sheila Kitzinger. Wenn jemals ein Buch aus einer Krise geholfen hat, ist es dieses. Statt plumpen Rat analysiert es moegliche Gruende fuer ein schreiendes Kind, und vor allem, laesst die Muetter schreiender Kinder zu Wort kommen. Es gibt keine einfachen Loesungen, dafuer Trost und Akzeptanz, und ganz viel Mitgefuehl und Verstaendnis. Das reicht bis zu praktischen Tipps, wie Muetter die Gefuehle der Aggression gegen das Baby anderweitig auslassen. Es gibt einen die Gelegenheit, sich in anderen Muettern wiederzuerkennen, und sich mit Distanz selbst besser zu verstehen, und damit auch das Baby. Mit dem Wissen, dass wir nicht allein sind, dass Cubling immer einen Grund hat zu schreien, dass es eine Phase ist, und dass ich tatsaechlich schon gute Strategien des Umgangs mit dem Schreien besitze und ich die Wut nicht am Kind auslasse, dass meine Intuition als Mutter besser fuer Cubling ist, als Hoggs und Fords Ratschlaege, fuehle ich mich geruestet, die kommenden 5 Wochen potentieller Schreimarathons durchzustehen. Denn angeblich wird's ab Woche 12 besser.
5 Wochen, die mir vor einer Woche wie eine unueberwindlich lange Zeit vorkamen, erscheinen jetzt machbar. Danke Sheila Kitzinger.
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