Nichts kann einen auf ein Baby vorbereiten, das fast jede wache Minute schreit. und schreit. und schreit. und noch mehr schreit. Die erste Reaktion ist natuerlich die, dass man das Schreiben beenden will, wissen will, was mit Cubling los ist und den Grund abstellen. Wenn das fehlschlaegt, kommen die Zweifel an sich selbst, die Nerven, Schuldgefuehle, dass man solches Leiden auf die Welt gebracht hat. Und Wut: Wenn man alles, aber auch wirklich alles tut, um alles richtig zu machen, und das Ergebnis das gleiche ist als wuerde man sein Baby vernachlaessigen. Noch mehr Schreien und Verzweiflung setzt ein: Panik und das Gefuehl, dass dieses Geschrei im wahrsten Sinne nicht aushaltbar ist.

So sucht frau Hilfe, Rat und nach dem GRUND des Schreiens. Erste Station: Hunger. Ich war ueberzeugt davon, dass Cubling schlicht wahnsinnigen Hunger hatte, ich nicht genug Milch produziere. Grund der Annahme war die Abwesenheit von, sorry, regelmaessigem Stuhlgang. Und die Breastfeeding Initiative Ehrenamtler riefen auch zufaellig genau richtig an. Mit ihrem Rat und dem Rat der Hebammen beim Breastfeeding Drop-In stellte ich die Stillroutine um und stillte praktisch konstant fuer eine volle Woche - immer wenn Cubling schrie.

Das stellte zwar das Schreien ab, denn gluecklicherweise kann kein Baby mit Brust im Schnabel schreien, mir wurde aber auch schnell klar, dass dieser Stillmarathon erstens nicht durchhaltbar ist und zweitens Cubling ganz eindeutig die meiste Zeit an der Brust nicht zum essen saugte - auch wenn die Hebamme das Stillen-bis-Baby-von-selbst-loslaesst advozierte. Und als Cubling dann schliesslich auch noch direkt nach dem Stillen schrie, wurde mir klar, dass vielleicht nicht Hunger Ursache des Schreiens war.

Jetzt gab's zwar Stuhlgang, dafuer aber eine neue Abwesenheit, die des Schlafens. Cubling schaelft am Tag so gut wie nicht und braucht 2 Stunden, um abends ins Land der Traeume zu reisen. Konstantes Schreien und Schlaflosigkeit weist in Richtung Colic, was schon zuvor diagnostiziert wurde. Das Problem ist einfach - Cubling hat Blaehungen, die tun weh, sie schreit, kann nicht schlafen, ist uebermuedet, schreit mehr, schlaeft erst recht nicht, schluckt beim Schreien noch mehr Luft, kriegt mehr Blaehungen usw. Nur dass die erste 3 der 3er Regel (3 Stunden Schreien pro Tag, and 3 Tagen pro Woche, ab Woche 3, in den ersten 3 Lebensmonaten) bei Cubling mit noch einer 3 multipliziert werden kann. Zumindest an manchen Tagen. Und das trotz aller Beruhigungsversuche.

Donnerstag schrie sie von 14 bis 21 Uhr non-stop, abgesehen von Stillpausen. Mein Kopf drohte zu explodieren und mein Beloved rief Cry-sis an. Tatsaechlich hat wohl mein Stillmarathon zur Verschlimmerung der Situation beigetragen. Der neue Rat ist nun: nur alle 3 Stunden stillen, und nicht zum menschlichen Schnuller werden. Das soll das Verdauungssystem beruhigen. Hinzu kommt Umstellen meiner Ernaehrung: definitiv keine Bohnen, kein Lauch, keine Zwiebeln, kein Kaffee und, das riet mir eine Mutter, keine Kuhmilch. Das Problem daran ist, dass ich Vegetarier bin und meine Proteine leider genau durch Bohnen/Linsen und Milchprodukte gewinne. Auf dauer ohne Milchprodukte? Unmoeglich. Aber ein Versuch ist's wert fuer ein paar Tage. Neue Colic Medizin habe ich auch. Cubling faehrt jetzt Rad auf dem Windeltisch, wird massiert und haeufiger gebadet.

Die naechsten beiden Tage hat sie zwar immer noch viel geschrien, aber doch bedeutend weniger als zuvor. Sie ist immer noch haltebeduerftig und hat ploetzliche Schreianfaelle, besonders, wenn eigentlich Schlafenszeit waere und sie partout nicht einschlafen kann, selbst Spaziergaenge helfen da nicht. Aber: die Schreianfaelle sind begrenzt, und es gibt Pausen. Heute sogar eine halbe Stunde, in der ich den Raum verlassen konnte. Klingt nicht nach viel, war aber ein echter Durchbruch! Das mit dem Schlafen klappt allerdings immer nocht nicht so wirklich.

Angeblich soll diese Schreiphase ja vorbeigehen, ca. nach 12 Wochen. Das sind noch mal 6 Wochen. Der Gedanke, dass sich die letzten 6 Wochen noch mal wiederholen, laesst in mir Gedanken der Flucht aufkommen. Was zur Zeit eher hilft, ist der Gedanke, dass es gute und schlechte Tage gibt, und dass katastrophale Tage (wir hatten bisher 2) doch eher selten sind und meistens von besseren Tagen gefolgt sind. Vielleicht sollten wir die schoenen Momente filmen und uns vorspielen, wenn's hart auf hart kommt.